Kinderwunsch – wie weit soll ich gehen?

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„Es ist zum verzweifeln! Seit über zehn Jahren bin ich nun schon mit meinem Mann zusammen, seit 6 Jahren sind wir verheiratet. Ungefähr genauso lang üben wir an einem Baby. Aber bisher bin ich nicht schwanger geworden. An mir liegt es nicht, das habe ich bereits abklären lassen. Nun weiss ich nicht was ich tun soll. Mein Mann will sich nicht untersuchen lassen, er meint es kommt dann schon noch und wenn nicht, hat er auch kein Problem damit. Für mich ist das aber keine Option. Ich kann mir ein Leben ohne Kinder nicht vorstellen. Soll ich fremdgehen und auf diese Weise versuchen schwanger zu werden? Wie hoch ist das Risiko, dass mein Mann das merkt? Und was wären die Konsequenzen?

Diana, Trier

 
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann sehr zermürbend sein. Viele Paare leiden jahrelang unter dieser Situation. Insbesondere für Frauen ist der Gedanke unerträglich, ein Leben ohne Kinder führen zu müssen. Die Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin bieten immer mehr Paaren Hoffnung. Und wenn diese Möglichkeit scheitert gibt es immer noch den Weg der Adoption.

Doch was, wenn der eigene Partner (wie im oben beschriebenen Leserbrief) kein echtes Interesse an einer gezielten Familienplanung hat und stattdessen auf ein Wunder warten will? Oder wenn der Partner gar erklärtermassen kein Interesse an eigenem Nachwuchs hat? Ist Fremdgehen eine Lösung? Ist die Schwangerschaft nach einer Affäre ein gutes Fundament für eine Familie? Wie weit soll man für seinen Kinderwunsch gehen? Wir haben uns eingehend mit diesem Thema beschäftigt:

Kinderwunsch

Zunächst erste einmal wollen wir festhalten, dass der Kinderwunsch bei Frauen -aber auch bei Männern- extrem stark sein kann. So stark, dass man alles tun würde, um ein Baby zu bekommen. Es ist daher nur zu verständlich, dass eine Affäre als Lösung in Betracht kommt, wenn sich innerhalb der Beziehung keine Schwangerschaft einstellt. Oft wird dieses Vorgehen sogar innerhalb der Beziehung offen diskutiert. Sicher, es ist ein heikles Thema und sicher auch moralisch grenzwertig. Aber hier wie auch sonst im Leben kann der Zweck die Mittel heiligen. Ist der Partner in das Vorgehen eingeweiht und ein geeigneter biologischer Vater steht zur Verfügung, dann ist dem sicher nichts entgegenzusetzen.

Anders sieht es hingehen aus, wenn der Partner nicht in die Pläne seiner Partnerin eingeweiht ist.

Ein geplantes Kuckuckskind

Geht die Frau fremd mit der festen Absicht, schwanger zu werden, dann gibt es hier potenziell 3 Personen, die davon unwissentlich tangiert werden: der Partner, der biologische Vater und das Kind. Wir möchten kurz auf diese drei Personengruppen eingehen und auf mögliche Gefahren hinweisen.

Der Partner: Er weiss von nichts. Seine Partnerin wird plötzlich schwanger und er geht davon aus, dass es sein Kind ist, welches da heranwächst. Moralisch ist dies eine schwierige Situation. Ein Mann zieht ein Kind gross, im festen Glauben es sei sein eigenes. Die Gefahr ist gross, dass der ganze Schwindel eines Tages herauskommt. Häufig stellen sich beim vermeintlichen Vater im Laufe der Zeit Zweifel ein, weil das Kind so gar nichts von ihm hat. Meist eskaliert eine solche Situation im Rahmen einer Trennung. Dann kommen die alten Zweifel hoch und ein Vaterschaftstest bringt schnell die Wahrheit ans Licht. Juristisch verwertbar ist ein solcher DNA-Test jedoch nur, wenn entweder die Mutter oder das (volljährige) Kind ihre Einwilligung dazu geben. Allerdings kann im Rahmen einer Vaterschaftsklage von Gerichts wegen ein Vaterschaftstest angeordnet werden. Ist der vermeintliche Vater nicht der biologische Vater des Kindes, muss dieser auch keinen Unterhalt an das Kind zahlen. Allerdings können die Gerichte Ausnahmen geltend machen, insbesondere dann, wenn das Kindswohl stark gefährdet wäre. Die Rechtslage ist also nicht ganz eindeutig und für den betrogenen Partner wird es im Einzelfall schwierig sein, seine Vaterschaft anzuzweifeln um Unterhaltszahlungen an das Kuckuckskind zu vermeiden.

Der biologische Vater: Möglicherweise weiss er von seiner Vaterschaft, meist ist dies aber nicht der Fall. Der biologische Vater spielt in diesem Spiel ohnehin nur eine Nebenrolle und wird in den meisten Fällen schnell wieder aus dem Leben der kleinen Familie verschwinden. Kompliziert wird die Sache aber dann, wenn es sich beim Seitensprung um einen männlichen Familienangehörigen handelt oder um jemanden aus dem Freundeskreis. Dann ist die Gefahr gross, dass die Ähnlichkeit zum leiblichen Kind irgendwann Zweifler auf den Plan ruft. Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis der vermeintliche Vater von davon erfährt. Wird dann offiziell, dass seine Frau fremdgegangen ist, ist die Ehe, resp. die Beziehung ernsthaft gefährdet. Der biologische Vater hat dabei keinerlei Rechte auf sein leibliches Kind, solange die Vaterschaft innerhalb der Ehe besteht. Er darf es daher nicht besuchen und muss auch nicht für sein Kind zahlen, solange dies ein anderer tut.

Das Kind: der eigentliche Verlierer in dem ganzen Versteckspiel ist mal wieder derjenige, der keinerlei Einfluss auf das Geschehen hatte: das Kind. Es kommt auf die Welt und wird misstrauisch angeschaut. Warm ist es seinem Vater nicht ähnlich und hat auch keinerlei väterliche Charakterzüge? Viele Kuckuckskinder berichten immer wieder, dass sie schon seit frühester Kindheit von Zweifeln geplagt wurden, sich diese aber nicht erklären konnten. Sie hatten das Gefühl, nicht so recht in diese Familie zu gehören. Oft üben sie nach erfolgter Volljährigkeit Druck auf die Mutter aus und stellen unangenehme Fragen. Mit 18 Jahren haben sie nun ein Recht darauf, zu erfahren wer der leibliche Vater ist. Viele Mütter tun sich dann aber schwer, die Wahrheit auf den Tisch zu packen und zuzugeben, dass sie einst fremdgegangen sind.

Alles in allem ist die bewusste Entscheidung für ein Kuckuckskind sehr folgenschwer und sollte gut überlegt sein. Auch wenn der Kinderwunsch noch so gross sind, so sollten Sie sich der Tragweite Ihrer Entscheidung bewusst sein. Versetzen Sie sich einmal in die Lage Ihres Ehepartners, des leiblichen Vaters und schliesslich Ihres Kindes. Häufig enden diese Situationen über kurz oder lang in Tragödien. Überlegen Sie daher genau, ob Sie dieses Risiko in Kauf nehmen wollen.

Der letzte Ausweg: Trennung

Schwanger werden nach einer Affäre ist eine schwierige Entscheidung und birgt hohe Risiken für die Familie. Diese Entscheidung sollte wohl überlegt sein. Eine Alternative wäre die Trennung vom eigenen Partner. Obwohl es ein harter Bruch wäre, ist es doch wohl der ehrlichere Weg.

Im Vorliegenden Beispiel wäre ein offenes Gespräch mit dem Ehemann der erste Schritt. Stellt er sich weiterhin stur und möchte auch nicht seiner Frau zuliebe die nötigen Wege gehen, um Vater zu werden, dann bleibt letztlich nur die Trennung als letzter Ausweg. Einem Neuanfang mit einem anderen Partner steht dann nichts mehr im Wege. Und wer weiss – vielleicht klappts dann ja auch mit dem Baby!

Fazit

Wir können keiner Frau dazu raten, sich ihren Kinderwunsch mittels Fremdgehen zu erfüllen. Die Gefahr, dass alles eines Tages herauskommt ist sehr gross und dann ist die kleine Familie unter Umständen zerstört. Der ehrlichere Weg wäre ein klärendes Gespräch mit dem eigenen Partner. Möglicherweise gibt es im Rahmen der Fortpflanzungsmedizin direktere Wege zum Baby. Und wenn das alles nichts hilft und der Kinderwunsch sehr gross ist, dann hilft nur noch die Trennung vom Partner und die Suche nach einem geeigneten Familienvater.

Siehe auch:

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